Der „Einstein“ aus Lenggries

Arzt aus Syrien pendelt zwischen dem Isarwinkel und Nürnberg

Als Abdulghafour aus Syrien in der Dezember-Ausgabe der LENA  nach seinen Zukunftswünschen gefragt wurde, antwortete er noch auf englisch: „Ich möchte deutsch lernen und auch in Deutschland als Arzt arbeiten“. Nur vier Monate später ist der 33jährige Hämatolge diesem Ziel näher als er es selbst für möglich gehalten hätte.

Seit seiner Ankunft in Lenggries werden Abdulghafour, seine Frau Nour und die kleine Tochter Judy vom Helferkreis Asyl in Lenggries betreut. Mit dessen Unterstützung fand der Familienvater den idealen Einstieg in die deutsche Arbeitswelt: ein privates Weiterbildungsinstitut in Nürnberg bietet seit Jahren ausländischen Ärzten die Möglichkeit, in Deutschland ein spezielles berufsbildendes Programm zu besuchen.

Hier finden beispielsweise Konversationsklassen statt, in denen das Gespräch mit dem Patienten geübt wird oder es werden Fachbegriffe  in lateinischer Sprache gepaukt, die für die Arbeit im medizinischen Bereich dringend erforderlich sind. Innerhalb von nur wenigen Monaten werden so medizinische Fachkräfte aus dem Ausland für das deutsche Gesundheitssystem fit gemacht. Einzige Voraussetzung: der Bewerber muss in der Aufnahmeprüfung mindestens ein B1- Sprachniveau nachweisen, zum Vergleich: ein deutscher Gymnasiast mit guten Englischkenntnissen verfügt nach acht Jahren Schulunterricht in der Regel über B2-Niveau.

Da die Aufnahmeprüfung Mitte Februar stattfand, blieben Abdulghafour also genau zehn Wochen um Deutsch zu lernen. „Wir haben wirklich Tag und Nacht gearbeitet. Er konnte zum Schluss nicht mehr schlafen, und man darf nicht vergessen, dass er mit seiner Familie und seinem jüngeren Bruder nur ein Zimmer in der Containeranlage bewohnt“, berichtet Ursula Durand. Die pensionierte Gymnasiallehrerin, die seit eineinhalb Jahren als Sprachlehrerin dem Helferkreis Asyl angehört, war von Beginn an beeindruckt von der Motivation des jungen Mannes. Mit dem geschulten Blick der erfahrenen Lehrkraft  wusste sie sofort: „Das bekommen wir hin“. Und tatsächlich: seit Anfang April pendelt Abdulghafour zwischen seinem Wohnort Lenggries und der Schule in Nürnberg.

Dank der Hartnäckigkeit und Überzeugungskraft seiner Lenggrieser Betreuer  wird er dabei mittlerweile finanziell vom Jobcenter unterstützt. Seine Klassenkameraden sind oft schon seit vielen Jahren in Deutschland. Sie können nur den Kopf schütteln über den „Lenggrieser Einstein“, wie sie ihn nennen, der in so kurzer Zeit deutsch gelernt hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .